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Weltentwürfe und Visionen
Unser Jahresthema 2026, Eskapismus, beschreibt nicht nur das Entweichen aus unangenehmen Situationen, sondern auch die Suche nach Alternativen zur herrschenden Alltagsrealität. Im Kern geht es um Bilder von Zwischenräumen: imaginierte Welten, Neuschöpfungen des Ich, utopische Sequenzen oder irritierende Spiegelungen der Wirklichkeit. Solche Bilder reflektieren eine Grundspannung unserer Zeit: Die Sehnsucht nach anderen Formen des Lebens inmitten wachsender gesellschaftlicher Polarisierungen, ökologischer Krisen und völliger medialer Überforderung.
In deiner Serie kann Eskapismus unterschiedlich aufscheinen: als rekonstruierte Fantasiewelt, in der Realität und Fiktion verschmelzen; als spielerisch konstruierte Parallelwelt, die ironisch oder ernsthaft Gesellschaftsnormen befragt; als surrealer Raum, in dem Identität durch Maskierung, Kostüm oder Erzählung transformiert wird. Vielleicht denkst du darüber nach, wie wir leben, lieben und zusammenleben könnten, wenn bestehende Strukturen zu bröckeln beginnen.
Im Kontext unserer politischen und gesellschaftlichen Tagesrealität liegt der Eskapismus als Thema nahe. Er ist ja keine bloße Flucht; stattdessen denken wir über poetische Gegenmodelle zur gegenwärtigen Realität nach. Über den ökonomischen Druck, über Einsamkeiten aller Art, die kontinentumspannenden Klima- und Demokratiekrisen. Eskapistische Bilder dürfen als utopische Gegenentwürfe gelesen werden. Wie wollen wir wohnen? Wie wollen wir arbeiten? Wie lassen sich Gemeinschaften anders denken als durch Effizienz, Konkurrenz und Erhöhung des Wehretats?
Dieser Charakter des Eskapismus rekurriert auf die Gründungsidee der Gartenstadt Hellerau. Als erste deutsche Gartenstadt 1908/09 entstand Hellerau aus dem Wunsch, der Enge und Härte urbaner Industrialisierung neue Entwürfe eines ganzheitlichen Lebens entgegenzusetzen. Die Initiatoren griffen Anfang des 20. Jahrhunderts auf reformerische, sozialutopische Konzepte zurück, die Wohnen, Arbeiten, Kultur und Natur verbinden wollten. Sie reagierten auf die Zwänge des Wilhelminischen Kaiserreichs und die negativen Folgen der Industrialisierung mit einem selbstbewussten Zukunftsentwurf. Großzügige Grünräume sollten in Hellerau entstehen, lichte Architektur, gemeinschaftliche Räume und kulturelle Bildung sollte das Zentrum des Ganzen werden! Das war also kein romantischer Rückzug, sondern ein avantgardistischer Antwortversuch auf die gesellschaftliche Krise. Die experimentelle Siedlung gilt als Teil der Lebensreformbewegung und wurde ausdrücklich als progressiver Gegenentwurf zu damaligen gesellschaftlichen Zwängen gedacht – bildlich wie programmatisch.
So nach-vorn-denkend verstehe ich auch unser Jahresthema „Eskapismus“. Die Verknüpfung dieses Themas mit Hellerau liegt nicht (nur) im Motiv des Entweichens, sondern in der Idee des Neuschaffens. Als fotografisches Thema ist Eskapismus das neugierige Ausloten von „Was wäre wenn?“-Szenarien. Für Fotografien, die sich diesem Jahresthema widmen, kann Hellerau gleichsam als inhaltlicher Spiegel dienen: eine Gartenstadt, die vor über 100 Jahren als utopische Antwort auf ihre gesellschaftlichen Herausforderungen entworfen wurde und nun als Denkraum für deine Bildwelten fungiert.
Martin Morgenstern (DGPh)
Jedes Jahr erschien ein neuer Katalog mit den Werken aller 2025er Finalisten im Verlag der Kunstagentur Dresden. Der Versand ist weltweit kostenfrei. Bestellt jetzt den aktuellen, limitierten Katalog!
Ute BehrendDie PORTRAITS Preisträger kamen 2025 aus Spanien, Deutschland und Indien.
Martin MulikWas bisher geschah
Seit 2015 gibt es den PORTRAITS – Hellerau Photography Award. Fünfzig Ausstellungen, berührende Foto-Serien von über vierhundert internationalen Künstlern und zehntausende begeisterte Besucher sind das Ergebnis.
Martin MulikInternationaler Wettbewerb für Porträt-Fotografie
»Ebenbilder«, »Oberfläche«, »Zusammensein«, »Wandel«, »Präsenz«, »Enthüllt«, »Würde«, »Singularität«, »Echos der Wahrheit«: das waren große Themenausstellungen, die HELLERAU – Europäisches Zentrum der Künste gemeinsam mit der Kunstagentur Dresden in den letzten Jahren veranstaltet hat.
